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Hawaii ist die traumhafte Kulisse der "Waves of Love"-Reihe
Erotische Romane

Nur für die feelingsladys: Eine exklusive Kurzgeschichte von Ava Innings!

Wer von Russel, Dean und Samantha und der traumhaften Kulisse an den Stränden Hawaiis einfach nicht genug bekommen kann, ist hier genau richtig!

Anlässlich der Neuerscheinung ihrer beiden "Waves of Love"-Titel hat Ava Innings nämlich eine exklusive Kurzgeschichte geschrieben – nur für Euch!

Also: Macht es Euch bequem, lehnt Euch zurück und lasst Euch ein letztes Mal verzaubern – die "Waves of Love"-Reihe ist nun nämlich abgeschlossen.

RUSSEL | 02.11.2009 | North Shore | Oahu | Hawaii

„Was ein Höllenritt!“, knurrt Dean. Das erste Mal seit knapp zwei Wochen ist seine Laune einigermaßen erträglich. Keine Ahnung, was genau los ist. Er rückt nicht mit der Sprache raus. Mich kotzt es an. Nicht weil ich darauf stehe, den Seelsorger zu spielen oder über meine oder seine Gefühle zu reden – bestimmt nicht! Ich habe ja keine Pussy. Aber in dem Zustand ist mein Bruder immer kurz davor, jemandem die Nase zu brechen, und ehrlich: Ich will nur ungern dieser Jemand sein, bloß weil ich was Dummes sage.

„Konzentrier dich lieber“, zische ich ihn dennoch an, denn den feindlichen Hinterhalt haben wir nur geradeso überlebt.

„Fick dich, Russel. Ich sorge schon dafür, dass wir nicht sterben!“

„Ach ja? So sieht es nicht aus“, rufe ich und ballere hinter ihm zwei Gegner ab. „Spiel endlich richtig, sonstlassen wir es lieber.“

„Ganz oder gar nicht, was?“, grunzt er.

„Yep!“

„Ich verrate dir was, Bro, das funktioniert nicht immer.“

„Schwachsinn“, herrsche ich ihn an. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

Gekicher von der Tür her lenkt uns beide kurz ab, und schon stirbt Dean den Konsolentod. „Scheiße, Joe!“, rüge ich meine Schwester. Im Mad-Crush-Haus ist ständig was los, aber wenn Joe die Bühne betritt, ist meine Konzentration am Arsch – und nicht nur meine. Joe ist scharf. Dean und ich wissen das, auch wenn wir es nicht so sehen, aber wir haben es oft genug gehört. Dem Kerl, der seinen Arm um ihre Schulter gelegt hat, werden wir jedoch nicht sämtliche Knochen brechen. Rory ist wie ein Bruder für uns und er sorgt sich ebenso um Joe wie wir.

„Sei keine Spaßbremse, Rus“, murrt sie und stößt Rory ihren Zeigefinger in die Rippen, woraufhin er ein schmerzerfülltes „Autsch!“ von sich gibt.

Eigentlich sind wir hier, um zu surfen. Doch mangels guter Wellen ist der Wettkampf verschoben worden. Ich hasse dieses Warten, aber mit Dean Call of Duty zu spielen und mit den Jungs abzuhängen, ist eine gute Ablenkung. Ich bin allerdings froh, dass Joe und er nicht hier wohnen. Sie teilen sich mit Dad zusammen ein Haus in der Nähe, sodass niemand auf die Idee kommt, sein Glück bei Joe zu versuchen. Nicht, dass irgendwer außer Bradley Hoover Chancen bei ihr hätte, aber das interessiert ja diese triebgesteuerten Typen, die sie wie irgendein Groupie anblicken, nicht. Okay, vermutlich sollte ich, wenn es um das Thema geht, einfach die Klappe halten – zumindest sagen Sammy und Joe das immer, aber es ist, wie es ist: Joe ist meine Schwester, und für sie gelten andere Regeln. Zum Glück denkt sie gar nicht daran, sich so wie die anderen Mädchen, die in diesem Haus ein und aus gehen, zu benehmen. Sie ist nun mal kein Pipeline-Flittchen, das scharf darauf ist, ins Bett eines Pro-Surfers zu kommen. Nein, Joe ist anständig. Auch wenn Außenstehende durchaus falsche Schlüsse ziehen könnten, wenn sie sehen, wie sie mit Rory rumalbert.

Ich betrachte das Spektakel kopfschüttelnd. „Vorsicht!“, ermahnt mein Teamkamerad Strider Sinclair die beiden, als sie beginnen, sich durchs Wohnzimmer zu jagen. Er wirkt wenig begeistert von dem Tumult, aber ich schätze, dass seine Gereiztheit eher an seiner Niederlage liegt. Ich war so frei und habe gestern in der ersten Runde dafür gesorgt, dass er den Rest des Wettkampfs als Zuschauer betrachten kann. „Gibt es hier ein verdammtes Nest von euch Reynolds?“, murrt er, woraufhin ich meine: „Yep, und jeder Einzelne von uns surft besser als du. Selbst Joe.“

Joe hält in der Bewegung inne und starrt mich an. „Was stimmt mit dir eigentlich nicht?“, will sie von mir wissen.

„Das hat er nur gesagt, weil du ein Mädchen bist und er mich damit beleidigen wollte“, erklärt Strider ihr. Nicht, dass das nötig wäre. Joe hat das schon verstanden.

„Ach echt?““, fragt sie und fügt hinzu: „Ich bin vielleicht ein Mädchen, ich bin vielleicht blond, aber dumm bin ich nicht. Den Part hat Russel in unserer Familie übernommen.“

„Hey!“, begehre ich auf, wohingegen Strider Joe breit angrinst, als sei sie das bezauberndste Wesen, das er je gesehen hat. Ich bin versucht, ihm zu sagen, dass er die Finger von meiner Zwillingsschwester lassen soll, aber dann würde er sich erst recht an sie ranmachen. Egal, Dean wird ihm die Finger brechen und auch seinen verdammten Arm, wenn er es wagt, Hand an Joe zu legen.

„Du hast angefangen“, meint Joe und zwinkert mir zu, ehe sie sich neben mich auf die Couch fallen lässt, aufstöhnt und dann umständlich ihr Handy aus der Gesäßtasche fischt. Ich lege ihr den Arm um und ziehe sie an mich. Gott, ich liebe sie so sehr! Als wir noch ganz klein waren, muss ich furchtbar geweint haben. Monatelang dachte meine Mutter, ich sei ein Schreikind, bis sie herausfand, dass sie Joe und mich nur zusammen in ein Bett legen muss, damit ich mich beruhige.

So ist es bis heute. Joe so dicht neben mir zu spüren, zu wissen, dass es ihr gut geht, beruhigt mich ungemein. In Kürze werde ich auf Tour gehen. Meine erste Championship-Tour. Ein Dreivierteljahr werde ich nur sporadisch zu Hause sein, denn die meiste Zeit werde ich um die Welt reisen und an den großen Surfwettkämpfen teilnehmen. Joe hingegen wird nach L.A. ziehen und dort Fotografie studieren. Allein der Gedanke daran versetzt mich in Panik. Ich weiß nicht, wie ich diese Zeit ohne sie überstehen soll. Sie ist mein Zuhause. Ich schließe die Augen und atme ihren Duft ein. Mir ist es egal, dass jeder in diesem Raum sehen kann, was ich für sie empfinde. Nein, im Gegenteil, es ist gut, denn so wird es niemand wagen, sie anzugraben.

Die Typen hier sind alle wie ich. Sie sind auf einen schnellen Fick aus – mehr nicht. Ich bin umgeben von Armleuchtern, und keiner dieser Kerle kann ihr das Wasser reichen. Es gibt einfach keinen Typen, der gut genug für sie ist – nicht hier und auch nicht anderswo.

Joe neben mir zieht scharf die Luft ein. „Was ist?“, frage ich alarmiert.

„Joe?“, kommt es von Dean, der sein Gespräch mit Rory unterbricht und sich uns zuwendet. Auch ihm ist nicht entgangen, dass irgendwas nicht stimmt. Joe schaut vom Display ihres Handys auf und wispert: „Sie ist weg! Sam ist weg!“

DEAN | 02.11.2009 | North Shore | Oahu | Hawaii

„Was meinst du mit ‚sie ist weg’?“, will ich wissen.

Joe schüttelt verwirrt den Kopf. Tränen schimmern in ihren Augen. Wortlos reicht sie mir das Handy, und ich lese Sams Nachricht. Ich habe mich spontan entschieden, ein Jahr nach Australien zu gehen. Mach dir keine Sorgen. Melde mich, sobald ich mehr weiß, lese ich. Neben mir informiert Joe Russel und Rory darüber, was geschehen ist. Ich lese die knappen Zeilen ein weiteres Mal und antworte: Du verarschst mich doch!

Sam schreibt keine Minute später zurück. Nein. Sei nicht sauer, Joe. Ich hatte einen fiesen Streit mit meinem Vater. Von wegen! Sie hatte keinen fiesen Streit ihrem Vater – oder anders: Sie hat immer Streit mit ihm. Das ist nicht der Grund, da bin ich mir sicher. Ich bin der Grund, oder besser die Nacht ihres achtzehnten Geburtstags, in der sie mir das Herz gebrochen hat, ist es.

Und deshalb musst du gleich das Land verlassen?, texte ich zurück.

„Was tust du?“, fragt Joe mich.

„Fragen, was der Scheiß soll“, blaffe ich.

„Sie ist einfach abgehauen, oder wie?“, hakt Rory nach. Er klingt so fassungslos, wie ich mich fühle.

Ich habe sowieso mit dem Gedanken gespielt, behauptet sie kackdreist, denn bevor sie sich von dem dämlichen Bradley Hoover hat ficken lassen, hatten wir gemeinsame Pläne. Wir wollten die Welt umsegeln – zusammen. Ich musste einfach weg, schiebt sie hinterher.

Wolltest du nicht mit Dean segeln gehen?, frage ich. So einfach lasse ich sie nicht davonkommen. Ich stehe auf und verlasse das Haus. Während ich über den Strand gehe, geht eine weitere Nachricht von Sam ein.

Das hat er doch nur so dahingesagt. Warum sollte er mit mir so einen Trip machen wollen? Ja, das frage ich mich auch. Sie ist bloß eine miese kleine Schlampe. Joe vorspielen, sie seien die besten Freundinnen, und dann mit dem Kerl in die Kiste springen, in den Joe bereits seit einer Ewigkeit verknallt ist. Aber wenn ich ehrlich bin, dann geht es mir nicht darum, sondern darum, dass sie uns verraten hat. So sehr mir Joes Wohl am Herzen liegt … Sam hat mir eben jenes Herz gebrochen, und zwar auf eine unfassbar fiese Tour.

Ich frage mich, was sie geritten hat. Du und dann Brad, meldet sich eine zynische Stimme in meinem Innern, und mir wird übel. Ich setzte mich auf eine der Picknickbänke in den Schatten und starre das Handy an.

„Hey!“, höre ich Russels Stimme hinter mir. Ich fahre ertappt herum. „Was geht hier ab?“, will er wissen und ergänzt: „Joe ist am Boden zerstört, weil Sam einfach abgehauen ist.“

„Frag mich mal“, murmele ich.

„Na ja, sie ist nicht deine beste Freundin. Ich meine …“ Ich sehe ihn mit ausdrucksloser Miene an, und er verstummt. „Gibt es da was, was du mir sagen willst?“

Ich seufze, öffne den Mund und will sagen, dass es rein gar nichts gibt, was ich ihm sagen will oder worüber er sich Gedanken machen soll, doch stattdessen stoße ich hervor: „Ich habe mit Sam geschlafen.“

Russel lacht auf. Er lacht den Bruchteil einer Sekunde lang, dann endet sein Gelächter so abrupt, wie es begonnen hat. „Das war kein Witz“, stellt er fest.

Ich schüttle den Kopf, und dann erzähle ich ihm die ganze Geschichte inklusiver aller schmutzigen Details.

„Du musst den Chatverlauf löschen“, instruiert er mich. „Joe darf den wahren Grund für Sammys Verschwinden nicht erfahren, sonst …“

Ich nicke. Ja, es würde ihr das Herz brechen. „Schaffst du es, die Sache für dich zu behalten?“, will ich wissen.

„Klar“, behauptet er.

„Du darfst es niemandem sagen, auch nicht Rory.“

„Ich bin ja nicht bescheuert. Er ist voll das Waschweib!“ Ich verdrehe die Augen. Rory ist schließlich nicht der Einzige, der sich gern reden hört. „Hey, du kannst dich auf mich verlassen“, verspricht Russel, und ich atme erleichtert aus. „Kommst du klar?“

Ich nicke und füge hinzu: „Ich werde es überleben.“ Sein Gesichtsausdruck verrät mir, dass er mir kein Wort glaubt. „Du wirst sehen, es wird alles wieder gut.“

DEAN | 04.02.2014 | Honolulu | Oahu | Hawaii

Alles wird wieder gut, das sage ich mir in den kommenden Monaten und Jahren jeden Tag – meistens sogar mehrmals täglich, doch ich glaube mir nicht. Sam und unsere Liebesnacht, die sie anschließend so schändlich mit Füßen getreten hat, gehen mir nicht aus dem Kopf. Ich habe lange gebraucht, um ihr zu verzeihen. Es war schwierig, darüber hinwegzukommen, wie sie sich mir gegenüber verhalten hat, doch Russel hat recht: Ich sollte die Sache wirklich hinter mir lassen und mal in Ruhe mit ihr reden. Solange nämlich all diese unbeantworteten Fragen in meinem Kopf durcheinanderwirbeln, werde ich nie zur Ruhe kommen. Nach Sam gab es unzählige Frauen, doch keine war wie sie. Ich weiß, sie ist die Eine für mich – trotz allem. Keine Ahnung, ob ich überhaupt eine Chance bei ihr habe, aber ich werde es nie erfahren, wenn ich nicht versuche, mit ihr zu sprechen.

Doch erst einmal verbringe ich den Abend mit Rus. Er sagte, es gäbe etwas zu feiern, und er würde mich einladen. Ich freue mich, ihn zu sehen, denn er war ziemlich eingespannt in den letzten Wochen. Ich hebe meine Hand, um ihn auf mich aufmerksam zu machen, als er das Restaurant betritt, und lasse sie sinken, als ich sehe, dass er in Begleitung von Sam ist. Ich schlucke beklommen, weil ich nicht weiß, ob ich hier und jetzt bereit für die große Aussprache bin. Dann sehe ich, dass er seine Finger mit Sams verwoben hat. Händchenhaltend kommen sie auf mich zu, und ich bin unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. In meinem Innern tobt ein Sturm. Schmerz, Übelkeit, Wut, Fassungslosigkeit … eine krude Mischung aus vielen Empfindungen, die kurz davor ist, mir einen gequälten Laut zu entlocken, doch ich presse meine Kiefer aufeinander, knirsche mit den Zähnen und versuche den Verrat, den Russel so offensichtlich begangen hat, zu verdauen. Und dann entdecke ich den Ring an Sams Finger und weiß nicht, wie ich es schaffe, Russel nicht an Ort und Stelle den Kopf abzureißen. Zur Hölle mit ihm, denke ich, als er Champagner ordert. Ich stürze mein Glas in einem Zug hinunter, denn es gibt nichts, worauf ich anstoßen will: am wenigsten auf ihre Verlobung!

Über die Autorin

Ava Innings – supernerdiges Surfergirl, das Schreiben und das Meer sind ihre große Liebe, tollpatschig, mit einer Schwäche für Eiscreme, Bad Boys und Bücher. Esotussi, Serienjunkie, Schaumbäder-addicted, steht auf Lakritze, Surffilme und New-Adult-Romance, ist leidenschaftliche Fotografin, Quell unzähliger Yoga-Weisheiten und immer für verrückte Ideen zu haben.  

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